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Schützengesellschaft 1933
Träger des Festes ist der Schützenverein, dem jeder Einwohner angehört, der am Schützenfest den Ausmarsch mitmacht. Im Jahre 1845 soll die erste Fahne beschafft sein. Sie trug auf gelbweißem Grund das springende (kann) Pferd und ist später durch eine weiße Fahne ersetzt worden. Die Standarte der Kavallerie aus dem Jahr 18 .. zeigt ebenfalls das springende Pferd. Die aus Messing gegossene Kanone soll schon früh aus Hameln beschafft sein und hat wohl kaum ihresgleichen in den Nachbargemeinden. Sie wurde wiederholt verliehen, so im Jahre 1869 für 15g gr Leihgebühr nach Hohenrode. Der Schützenverein besitzt noch heute ein eigenes Tanzzelt, das aus den Einkünften der Vermietungen unterhalten wird. Die Verwaltung liegt in den Händen des jeweiligen Schützenkönigs und des Schützenkomitees. Die beim Schützenfest aufgestellten Formationen sind meist alt. Schützen, Zippöre, Räuber, Kavallerie, Artillerie und Schwerenotskompanie für die Jüngsten. Erst in dem letzten Jahrzehnt (1920 - 1930) kamen die Buren und das Wahrendahler Alpenjägerkorps hinzu. Die Kleidung der einzelnen Kompanien ist genau festgelegt. Die Schützen tragen weiße Hosen und dunkle Röcke, dazu weiße Mützen mit grünen Wollbüscheln und ein grünes Band. Die Kompanie versieht den Ehrendienst beim Schützenkönig. Die Räuber schmücken sich mit großen spitzen Hüten, auf denen lange Hahnenfedern wehen. Kein Wunder wenn nach dem Schützenfest alle Hähne im Dorf ohne Schwanzfedern einherlaufen. Die Buren sind an ihren Tropenhüten, die Alpenjäger durch grüne Mützen und Mehr ist von Zippören oder Sappeuren zu berichten. Sie sind durch Masken vermummt, lange Bärte aus Wolle oder Flachs, große Lederschürzen und starke Beile geben ihnen ein phantastisches Aussehen. Mit ihrem Hauptmann, der in gleicher Verkleidung hoch zu Roß sitzt, eröffnen sie den Festzug. Der 2. Schützenfesttag bringt ihnen reichlich Arbeit. Sie eilen dem Zug weit voraus, um alle Hindernisse aus dem Weg zu räumen, die von Frauen und jungen Mädchen aufgebaut werden. Wehe, wenn sie die Rädelsführer ergreifen! Es wird daher unaufhörlich gesucht, der Herr Hauptmann selbst führt an, und wenn er mit seinem Streitroß die Stuben aufsuchen müßte! Wer aufgegriffen wird, muß im Zug mit durch das Dorf. Nichts kann davor schützen, selbst nicht Unterrock oder Pantoffeln. Wer fluchtverdächtig ist oder sich gar widerspenstig zeigt, kommt neben den Hauptmann aufs Pferd. Nur ein Anständiges Lösegeld kann frei machen. Wer den Zippören am Nachmittag entrinnt, muß am Abend in dem Arrestlokal auf dem Festplatz büßen. Dabei gibt es kein Ansehen der Personen. Beim Schützenfest 1933 hatte sogar der Landrat Dr. Lambert aus Hameln das Glück, das Arrestlokal mit einer Anzahl Frauen des Dorfes so lange zu teilen, bis er sich und seine Mitgefangenen durch ein Lösegeld die Freiheit erkauft hatte. Oben genannten Formationen ist dann noch das Sanitätspersonal beigegeben, das meistes aus 2 Stabsärzten, Sanitätern, Rotkreuzschwestern und der Feldapotheke besteht. Wer schlapp macht oder im Gefecht verwundet ist, wird durch einen kräftigen Schluck aus der Medizinbuddel wieder auf die Beine gebracht. Die Zahl der Kranken soll immer sehr hoch sein. Um einen Überblick über die Organisation und über die Stärke des Kriegsvolks zu haben, möge hier eine vollständige Zusammenstellung aus dem Jahre 1933 folgen. König Heinrich Ruhe Nr. 68, Gem. Vorsteher Um den jeweiligen Schützenkönig für den nicht geringen Aufwand etwas zu entschädigen, zahlte ihm die Schützenkasse das zum Königshut gehörende Seidenband und einen Barbetrag, der zwischen 1Th.10g gr. und 4Th. 5g gr. schwankt, später vergütete man 30 RM und erhöhte dann diesen Zuschuß auf 70 RM. Wenn im vor stehenden die Schützenkönige gebührend gewürdigt sind, sollen auch die Generale nicht vergessen werden. In den Jahren 1856 - 93 bekleidete diesen Posten der jedermann unter dem Namen „ der alte General" bekannte Christian Deppmeyer Nr. 56. Schreiber dieses kannte ihn noch als einen urdeutschen Mann, der bis ins hohe Alter hinein mit seltener Treue und Gewissenhaftigkeit sein Amt als Glockenläuter versah. In der Zeit des Schützenfestes hatte der Alte für nichts anderes Gehör. Schützenfest war Wochen hindurch sein Gedanke bei Tag und bei Nacht. Stolz saß er mit seinen Begleitern im Wagen, wenn er die Pferde abnahm. Als im Jahre 1899 der alte Deppmeyer zur großen Armee abberufen, war es sehr schwergeeigneten Ersatz zu finden. Nachdem der Brinksitzer Wilhelm Künne Nr. 68 ein Jahr lang die Würde bekleidet, wurde dann in einer feuchtfröhlichen Sitzung im Hothanschen Gasthause dem Malermeister Fritz Söhlke Nr. 7 der Generalshut aufgesetzt. Söhlke bekleidet diesen Posten bis auf den heutigen Tag. Wohl ruht der Dreimaster seit 1933 im Schrank, aber der 74 jährige hofft in den nächsten Jahren nochmals Heerschau über seine Truppen abhalten zu können. Über den Festplatz seien einige kurze Nachrichten gegeben. Ursprünglich feierte man das Schützenfest auf der jetzt Bollermannschen Wiese im Osterholze. Anfang der 70er Jahre erbaute man am Fuße des Hemeringer Berges, unweit des jetzigen Festplatzes unter alten rauschenden Eichen ein Zelthaus. Einen schöneren Festplatz kann man sich kaum vorstellen. Als aber die Eichen fallen mussten, schritt man im Jahre 1927/28 zum Bau eines neuen Zelthauses auf dem Wahrendahler Anger, das mit einem Kostenaufwand von RM … errichtet wurde und bei seiner Ingebrauchnahme den Namen „Haus der Väter" erhielt. Manch feuchtfröhliche Sitzung ist in den wenigen Jahren hier schon abgehalten worden. Bau des neuen Schießstandes im Jahre 19.. für.... Ich schließe nun die Nachrichten über den Schützenverein und sein Schützenfest damit, daßss ich von allerlei spaßigen Ereignissen erzähle, an denen es natürlich am Hemeringer Schützenfeste als einem wahren Volksfeste niemals gefehlt hat. Beim Schützenfeste dürfen naturgemäß auch Leute nicht fehlen, mit denen der Volkswitz sein Wesen treiben kann. An solchen Originalen hat es zu keiner Zeit gemangelt. Da nenne ich vor anderen den alten Nagelschmied Schierholz, scherzweise „Hübsch" genannt. Für ihn waren die Schützenfesttage wirkliche Festtage, an denen er einmal ordentlich einen nehmen konnte. Auf dem Festplatze wurde dem Schierholz nun von allen Seiten kräftig zugetrunken, und bald war es geschehen. Innen schwarz, wurde er nun auch in einen Mohren verwandelt, mit dem man allerlei Scherz trieb. Man band ihn auf dem Stuhle fest, reizte ihn von allen Seiten und ergötzte sich an seinen erfolglosen Anstrengungen. Gewöhnlich mußte dann die Polizei den Gehänselten in Schutz nehmen. Den Mitwirkenden, besonders den Wachthabenden, werden allerlei Streiche gespielt. Dem Räuber Wissmann, der vor dem Generalfeldmarschall Wache steht, stiehlt man, als er heimlich einen Trink, die Flinte und versteckt sie im Ziegenstall. Den Kanonieren schraubt man das Kanonenrohr ab, dem König nimmt man heimlich den Degen ab oder versteckt den Hut. Schreiber dieser Zeilen (H. Hillebrecht) gelang es im Jahre 1906 mit Hilfe des Fischmeisters Burckard die Zeltwach vor den Schänktresen zu locken und trotz heftiger Verfolgung mit der Schützenfahne im Dorfe zu verschwinden. Das gab natürlich ein böses Nachspiel. Am nächsten Morgen wurde das Schulhaus von allen Seiten umzingelt, Artillerie eröffnete ein gewaltiges Bombardement, so daß Nachbar Kochs Kühe im Stall wild werden und an den Wände hochgehen. Wir haben uns sicher verbarrikadiert, lassen es auch an der nötigen Verteidigung nicht fehlen. Aber bald gebricht es uns an Pulver und Blei, und wir mußten uns ergeben. Noch heute erinnern sich die alten Mitkämpfer gern dieser spaßigen Belagerung. Beim nachfolgenden Frühstück wird der Scherz laut kriegsgerichtlichem Urteil tüchtig begossen und viel belacht. Musik spielt: "Macht mir keine Wippchen für!" Da ertönt mit einem Male der Ruf:" August, diene Fru kümmt!" Plötzlich wird Seitz dem Leben wiedergegeben. Die Alte soll ihren liebenden Gatten nicht allzu zärtlich auf das Zelt komplimentiert haben.
![]() F. Söhike ( General ) H. Prasuhn 1937
Aus alten Abrechnungen und Königsscheiben ist die Reihe der Schützenkönige, wenn auch nicht lückenlos, wie folgt festgestellt:
Vorstehend gemachte Aufstellung spricht für sich selbst. In den Tagen des |
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